Fastnacht im Mittelalter

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Im 12. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts feierte man in Kirchen sogenannte “Narrenfeste”, wobei es eigentlich keine kirchlichen Feste waren. Das Fest wurde um den 6.Januar gefeiert und hier war es der unteren Schicht erlaubt, sich über die höher Priviligierten, besonders der Geistlichen, lustig zu machen. so wurden “Pseudopapste” und “Kinderbischofe” ernannt. Ganz in Gestalt einer Prozession wurde dann das gesamte Volk in die Festivitäten mit einbezogen. Aber nicht nur zu Beginn des Jahres wurden diese Feste gefeiert, sondern auch an den eigentlichen Karnevalstagen waren diese Narrentage weit verbreitet.

Erste Aufzeichnung einer Fastnachtlichen Veranstaltung kann man in Speyer finden. Dort in den Speyerer Chroniken aus dem Jahre 1612 von Christoph Lehmann wird berichtet, dass man schon im Jahre 1296 Fastnacht gefeiert hat bei dem die Bediensteten des Bischofs ihn nachgemacht und auf Korn genommen haben sollte, was jedoch in einer Schlägerei zwichen den Bediensteten und der Belegschaft des Bischofs endete, dies aber nie verurteilt wurde und sich im Sand verlief.

Die Fastnacht im Mittelalter wird auf die augustinischen Lehren vom Zwei-Staaten-Modell zu. Die doch oft ausgeartete Fastnacht wurde von der Kirche geduldet, aber nicht zuletzt steht sie für die civitas diaboli (Staat des Teufels).
Am Aschermittwoch jedoch musste dieses Gelage enden, um wieder zu Gott zu finden. Diejenigen, die nicht aufhörten zu feiern, wurden danach hart von der Kirche bestraft.

Den Höhepunkt der mittelalterlichen Fastnacht erlebte der deutschsprachige Raum im 14. und 15. Jahrhundert, hier tauchte auch vermehrt der Narr auf, der im didaktischen Sinne auf die Vergänglichkeit der Fastnacht hinweisen sollte.

Bild: Schembartläufer; Quelle: Wikipedia

Das Häß

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Das Häß bezeichnet das Karnevalskostüm bzw. die traditionelle Tracht der Narrenzünfte des Süddeutschen Raumes. Besonders in den Regionen der Schwäbisch-Allemannischen Fastnacht wird diese Ausdrucksweise verwendet.
Anders, als in den nördlicheren Karnevals- oder Fastnachsregionen, wird hier sehr auf traditionelle Bräuche gesetzt. Somit werden beispielsweise keine politischen oder gesellschaftlichen Themen an Fastnacht aufgegriffen, sondern jährlich aufs Neue die Tradition der Winteraustreibung gefeiert.

Bild: Schwenniger Hansel

Das Häß an sich besteht aus einer handgeschnitzten Holzmaske und einem handgefertigten Narrenkleid.
Die Darstellung der Häß in den verschiedenen Zünften ist jedoch völlig unterschiedlich.
Eines der meist verbreitetsten Häß ist die Hexe. Weiterhin folgen eine Vielzahl an dämonischen Getalten,
aber auch regional- oder Ortsbezogene Gegebenheiten fließen oft in das Häß hinein. So besitzen Ortschaften oder Städte, die für eine bestimmte Eigenschaft bekannt sind, oft diese in Form eines Häß.
Als Verkörperungen in Form eines Häß werden gerne genommen z.B. Geschichtliche Gegenstände oder Personengruppen, die aus dem Ort bekannt sind, Lebensmittel, wie Obst- oder Gemüsesorten, Verkörperung der Elemente, vergessene oder seltene Handwerkerberufe oder auch Tiere und vieles mehr.

Der Gestaltung eines Häß wurde keine Grenzen gesetzt und dies wird meist als Identifikation der Zunft und der Ortschaft bzw. Stadt verwendet. Viele Narrenzünfte bestehen schon seit Jahrzehnten, manche sogar Jahrhunderten.

Die verwendeten Materialien eines Narrenkleides sind genau so unterschiedlich, wie die Verkörperungen.
Sämtliche Materialien werden verwendet, um ein Häß zu gestalten, die Einen haben Holzelemente, die Anderen aus Papierelemente, Tierische Felle oder Federn, aber das weitverbreitetste Material ist Filz. Mit diesem strapazierfähigen Material werden die unterschiedlichsten Formen und Farben für ein Häß gestaltet.
Es gibt Spättle, oder auch Plätzle, genannte Häß, die kleine, meist rundlich geschnittene Filzstücke über das Häß verteilt haben, angeordnet, ähnlich wie die Dachziegel eines Hauses.
Hier zwei Beispielbilder von Spättle-Häß…
Bild: Plätzlerzunft Weingarten
Bild: Spättlehansel Offenburg

Wer nun mehr über diese Bräuche, Narrenzünfte und deren Häß erfahren möchte, kann dies auf den beiden größten Vereinigungen der südlichen Fastnacht tun.

Dies ist zum einen, der wohl bekannteste, die Vereinigung Schwäbisch-Allemannischer Narrenzünfte
oder auch den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte.
Es gibt noch eine weitere Anzahl an Vereinigungen, die freundschaftlich mit diesen oben genannten zusammen arbeiten.

Bildquellen nach GNU-Lizenz durch Wikipedia

Der Narrenruf

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Der Narrenruf ist ein zentraler Brauch der gesamten Fastnacht und des Karnevals.
Hierbei gibt es keine Vorschriften, wie dieser auszusehen hat, sondern kann frei von den Narrenzünften und Karnevalsvereinen gewählt werden. Dieser besteht i.d.R. aus zwei Teilen, den ersten Teil, die Vorlage genannt und dem zweiten Teil, die Antwort.

Der Narrenruf wird von jeder Zunft und jedem Verein frei gewählt und bezieht sich oft auf den gesprochenen Dialekt, oder einer für den Ort oder Stadt besonderen Eigenschaft, wie Personen, Tiere, geschichtliche Ereignisse etc.

Die bekannntesten Narrenrufe sind zweifels ohne…

Helau, welche immer wieder in Karnevalshochburgen verwendet wird, aber auch deutschlandweit in vereinzelten Dörfern und Städten.

Alaaf, bekannt aus dem Kölner Karneval

Ahoi, besonders im Norddeutschen Raum, aber auch vereinzelt im Süddeutschen Raum

Narri-Narro, sehr oft gebräuchlich im Süddeutschen Raum


Unterhalb sehen Sie eine Auswahl an Narrenrufe in Deutschland:

Narrenruf - Ortschaft/Stadt/Zunft


Narrenrufe in Baden-Württemberg

Käsperle – sei still! Narrenzunft Gomaringer

Ali – Gero Narrenzunft Ailingen

Has Has Narro Narrenzunft Seehasen Bodman-Ludwigshafen

Heidenei Narrenzunft Kißlegger Hudelmale

Breisgau – Ofaloch Plätzlerzunft Altdorf Weingarten

Hoorig, hoorig – isch dia Katz Katzenzunft Meßkirch, Narrenzunft Leutkirch, …

Gockelores – Kikeriki Narrenzunft Seegockel Friedrichshafen

Ajoo! Emmendingen

Komma Gschwomma! Stuttgart-Hofen

Narri – Narro Mittlerer Schwarzwald, Bodensee, Schwäbische Alb

Ho Narro Konstanz am Bodensee

Hoja Eberbach/Neckar

Monte Miau Waldkatzenbach am Katzenbuckel

Hella, Hella Gamundia Schwäbisch Gmünd

Alla Hopp Karlsterner-Hexenzunft

S’Ahoi Mannheim (Stichler)

Sandhase Hopp, Sandhase Hopp, Sandhase Hopp Hopp Hopp Mannheim (Sandhase)

Bier im Gral – Argental Kreuzritter vom Argental

Halli – Galli Esslingen

Aiau! Philippsburg

Hau-Hu Neuhausen (Enzkreis)

Jeggis – nai Bollschweil

Oi!-Oi!-Oi! Magstadt

Wileri – Wilero Narrenzunft Weiler Zipfel Weil am Rhein

Mudi – Hajo Mudau

Hinne Houch Buchen (Odenwald)

Narrenrufe in Bayern

Hio Region Bayerisch-Schwaben

Rottach – dolé Rottach

Ja, verreck! Günzburg

Bluntz Blautz Lauingen (Donau)

Wo na – Do na Faschingskomitee Kimratshofen

Prozele Hom Hom! Gemeinde Dorfprozelten am Untermain

Narrenruf in Berlin

Hei-Jo = abgeleitet von den Begriffen Heiterkeit und Jokus.

Narrenrufe in Franken

Halex Bischofsheim an der Rhön

Idiss Ahoi Coburg

Allamoschee, Allamuschee Effeltrich

AHA Zirndorf, Schwabach, Nürnberg

Alaaf Allersberg

Helau Fastnachtsverband Franken

Wallbuh Faschingskomitee Eltmann am Main

Häbberla Mäh Neustadt an der Aisch

AHAA! Ipsheim

Schnüdel Klar Würzburg-Unterdürrbach

Narrenruf in Hamburg

Hummel, Hummel – Mors, Mors!

Narrenrufe in Hessen

Gräilau Griedel

Mörlau Ober-Mörlen

Hallau Offenbach am Main

Dibborsch-Äla Dieburg

Alles Fastnacht oder was Nieder-Ramstadt

Fribersch-Helau Friedberg

Hall die Gail Flörsheim

Schurri Volkmarsen

Ulau Usingen

Hä-Hopp! Darmstadt

Gud’ Stuss – Ahoi Offenbach-Bürgel

Ahoi Gräfenhausen bei Darmstadt

Hie Schlott Griesheim bei Darmstadt

Kikiri – ki Freiensteinau im Vogelsberg

Bensem – Eijo Bensheim

Laurissa – Helau Lorsch

Fölsch Foll – Hinein Fulda

Zwingebersch –Helau Zwingenberg

Hei dou Nidda

Butzche laaf Schweinsberg

Narrenrufe im Rheinland

Alaaf Köln, Bonn, Leverkusen, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Kreis Neuss, Kreis Euskirchen, Düren, Eschweiler, Stolberg, Aachen, Andernach, Landkreis Neuwied, Kreis Ahrweiler

Aloha Köln, Ruf von Homosexuellen, welches eine Ableitung von Alaaf bedeuten soll

Helau Düsseldorf und Krefeld

Schweinheim, wutz, wutz Schweinheim (Bad Godesberg)

Kowelenz Olau Koblenz

Bugramm Ahoi Sankt Aldegund

Malberg Helau Malberg (Westerwald)

Alekerch Schepp Schepp Altenkirchen (Westerwald)

Bat Nau Gladbach (Neuwied)

Vürbai (un hinne Afjedaut) Neuwied-Irlich

Edscha Awoa un Ella Uhu Ediger-Eller

Maak Mött Erkelenz

Japp Moett KKG die Jappstoeck

Maak Möt Niederkrüchten

Wat is? Kelz

Soetelsche Muhresoat Süchteln

Gloria tibi Dülken Dülken

Halt Pohl Mönchengladbach

All Rheydt Rheydt

Nadda jöhh Herdorf

Mayoh Mayen

I-a Unterbach

Wupp-di-ka Wuppertal

Solig’ lot jon Solingen

Burger Brezel Burg

Itter, Itter, Helau Hilden

Breetlook Hüls Krefeld

Trän Drop! Düsseldorf-Niederkassel

Klappertüt! Tönisvorst

Kall du! Engelskirchen

Narrenrufe in der Eifel

Juh-Jah Blankenheim

Mechernich Alaaf Mechernich / Kreis Euskirchen

Oh Äh Blankenheim-Uedelhoven

Alt Joh Bitburg

Majuu Trier

Dajöhh Stadtkyll

Hinter’m Holz Stadtkyll-Niederkyll

Kaulaydi Kordel

Schnack-üss Dahlem-Baasem

Juch-Hei Prüm

Wau Wau Nettersheim

Omm Berg Schüller

O hü Kerschenbach

Mayen Mayoh Mayen

Knatsch jeck Niederzissen

Baddaa Brenk

Owei Hain Niederdürenbach

Ojöö Wehr

Adde Alaaf Adenau

Ries Padauz Roes

Kreiau Wittlich

Narrenrufe in Westfalen

Deunda Stadtlohn

He, geck, geck Delbrück

Ten Dondria (Helau) Rietberg

Maschi Mau Gütersloh

Quiekpiep Ibbenbüren

Drilau Bad Driburg

Man teou Steinheim

Olle Meh Nieheim

Hasi palau Paderborn

Knolli Knolli Schabau Scharmede

Rumskedi Beckum

Kattfiller! Attendorn

Holti Holau Hattingen

Hagau lo gohn Hagen

Gelau Gevelsberg

Grelau Grevenbrück

KV Helau Kirchveischede

Colau Cobbenrode

Has’ Hüp Warstein Niederbergheim

HALEI Medebach

Mantau Bochum

Hülau Hützemert

Drolau Drolshagen

Ochtrup Buäh Ochtrup

Narrenrufe in Niedersachsen

Brunswiek Helau Braunschweig

Pott Heißa Hildesheim

GANDERKESEE hinein – HE geiht. Ganderkesee

Hütte Helau! Georgsmarienhütte

Narrenrufe in Rheinland-Pfalz

Helau Mainz

Dolau Alzey

Wauwau Alzey-Weinheim

Ahoi Ludwigshafen am Rhein

O Leit her Mehring

Kalau! Kaiserslautern

Narrenrufe in Sachsen

Leila Helau Leipzig

Rabu Radeburg

Narrenrufe in Sachsen-Anhalt

Lazi Hopp Bernburger Karneval Club e.V.

HKC-Olé Holzdorfer Karnevals Club e.V. 1982

Ku Ka Kö 1. Köthener Karnevalsgesellschaft 1954 e.V.

Hei-Lu-Ve Gölzauer Karneval Club e.V.

Horrido, fass die Sau am Schwanze! Schackstedter Karneval Verein e.V.

Pfeffer – Salz Männerchor d. Staßfurter Handwerks e.V.

Wu De Schö Werdershausener Carneval Verein e.V.

Sandoria-Hellau Sandersdorfer Karnevalsverein e.V.

Zschernaria-Helau Karnevalsclub Zscherndorf 1976 e.V.

Rottscher-Hellau Roitzscher Carnevalsverein e.V.

Ram’l-Hellau Ramsiner Carneval Verein e.V.

Narrenrufe im Saarland

Alleh hopp Saabrücken

Nix wie druff Homburg, Blieskastel

Alleh hopp Völklingen

Hellau Völklingen-Geislautern

Da-Je Völklingen-Ludweiler

Doll Doll Großrosseln

Narrenrufe in Thüringen

Erfordia – Heijo! Erfurt

Kikiri – ki Eisenach

KKH – Helau! Erfurter Karnevalsvereins „Karneval-Klub-Helau“

Sulli Sulli Helau Suhl

Technika – Fass die Sau Jena

Quelle: Die Zusammenstellung der Narrenrufe erfolgte unter freundlicher Hilfe von Wikipedia.

Der Narrenbrunnen

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In den südlichen Fastnachtsregionen, wie z.B. in Süddeutschland, in der Schweiz, Frankreich, Österreich, oder Norditalien ist die Fastnacht sehr Brauchtümlich. Aus diesem Grund können viele Narrenzünfte über eine Jahrzehnte bis Jahrhunderte lange Tradition nachweisen. Was bei vielen Narrenzünften nicht fehlen darf ist neben dem Vereinsheim (auch Narrenschopf genannt) der Narrenbrunnen. Dieser symbolisiert meist die lokal ansässige Narrenfigur (das Häß) in Verbindung mit dem Wasser, die Lebensader des Dorfes. Narrenbrunnen haben keine Vorgabe des Aussehens, der Form oder Farbe, deshalb findet man in jeder Stadt und in jedem Dorf die unterschiedlichsten Narrenbrunnen.

Ein Beispiel eines Narrenbrunnens sehen Sie hier (beim Klick auf das Bild vergrößert sich dieses)

Eine absolut lesenwerte Seite ist die www.narrenbrunnen.com.
Hier sind unzählige Narrenbrunnen nach Regionen und Ländern aufgezählt und abfotografiert.


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